Nr. 1/2004
Zeitschrift (1989–2007)


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Wissensgesellschaft und Demokratie

Editorial

Herbert Arlt (Wien)
Realität und Politik

Heidelberg – Marrakesch, einfach
Dokumentationsgespräch mit Massud Rahnama (Wien/Teheran)

"...darum habe ich den Begriff Daseinsentwurf verwendet"
Dokumentationsgespräch mit Wolfgang Zinggl (Wien)

"the best place in the world to live"
Online Interview mit Gustav Halsvik (Longyearbyen)

"dass es diesen Versuch einer politischen Veränderung der Welt durchaus gibt"
Dokumentationsgespräch mit Herbert Gantschacher (Salzburg)

Theater Spielraum Wien
Dokumentationsgepräch mit Gerhard Werdeker und Nicole Metzger

32 Jahre "mitbestimmung"
Online Interview mit Peter Ulrich Lehner (Wien)

BERICHTE / INFORMATION / REZENSION
In Memoriam Samuel M. Rapoport / Projekt-Präsentationen: Das Verbindende der Kulturen / BeiträgerInnen /
Zu Lida Winiewicz-Lefèvre

 

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Editorial

Der Schwerpunkt dieser Nummer ist dem Thema "Wissensgesellschaft und Demokratie" gewidmet. Wie meist bei zentralen Begriffen gibt es auch im Fall der Wissensgesellschaft vielfältige Definitionen. Für uns ist hier von Bedeutung, daß das Wissen einen in der Geschichte der Menschheit bisher einmaligen Stellenwert in der Gesellschaft erhält und die manuelle Arbeit zurücktritt. Bereits in der Vergangenheit war Wissen der Motor für die Umwälzungen. Am Beginn der entscheidenden Entwicklung heutiger Kulturen stand die Schrift. Sie ermöglichte es nicht nur, Wissen zu "speichern", sondern auch kritisierbar zu machen. In dieser relativ kurzen Phase der Schriftlichkeit von etwa acht- bis zehntausend Jahren der Millionen Jahre alten Menschheitsgeschichte gab es immer wieder Veränderungen, die vor allem die Verbreitung der Schrift betrafen (Ausbildung, Medien, gesellschaftliche Rolle). In der Moderne hat sie ihre größte Verbreitung und ihren bisher intensivsten Einsatz erfahren. Neu ist in der gegenwärtigen Phase, daß die Vorstellungsbildung immer wichtiger und globaler wird. Damit kommt der Virtualität ein völlig neuer gesellschaftlicher Stellenwert zu.

Auf diese neuen Entwicklungen geht diese Nummer beispielhaft ein. Dabei werden folgende Aspekte hervorgehoben:

  1. Bereits mit dem Beginn der Moderne zeigten die Nationalstaaten, welche Bedeutung Fiktionalität in der Realität erlangen kann. Dennoch kann Politik nicht beliebig realisiert werden. Angeführt werden einige Faktoren, die speziell in den gegenwärtigen Prozessen berücksichtigt werden sollten.
  2. Trotz der Bedeutung der Schrift vermittelt sich die Welt keineswegs nur über das Wort. Im interkulturellen Märchen "Heidelberg-Marrakesch, einfach" zeigt sich die (schmerzhafte) Herausbildung einer neuen Identität, in der es nicht mehr um Aufrechnung, sondern um die Herausbildung neuer Lebensverhältnisse geht. Am Anfang dieses Neuen steht diese Erzählung, die von Massud Rahnama meisterhaft vorgetragen wird. Unter welchen Bedingungen diese Produktion entsteht, wurde in einem Dokumentationsgespräch festgehalten.
  3. Im Zentrum der Herausbildung einer neuen Denkweise stehen immer wieder Begriffe - wie der Kulturbegriff. Ein wichtiger Beitrag dazu wird von der überparteilichen Einrichtung des Depots geleistet. Freilich zeigt sich, daß die Herausbildung neuer Lebensweisen keineswegs widerstandslos erfolgen. Wieder zeigt sich, daß Schwächen der Politik mit (bürokratischen) Einschränkungen anderer Positionen einhergehen.
  4. Eine INST-Expedition führte im Juli 2004 in die Arktis. Dort zeigte sich, wie für den Alltag, die Produktion, den Tourismus Wissen neu eingesetzt wird. Dazu wird in der Reihe "TRANS-Studien zur Veränderung der Welt" im Oktober 2005 auch ein eigenes Buch erscheinen.
  5. Obwohl das Theater eine alte Kunst- und Kommunikationsform darstellt, hat es in der Gegenwart nicht an Bedeutung verloren. Das entscheidende Moment des Theaters ist die direkte Kommunikation. Anhand zweier wichtiger Theaterprojekte (ARBOS, Theater Spielraum) wird gezeigt, daß Wissen allein nicht ausreicht. Es geht auch um die aktive Auseinandersetzung mit Wissen, das nicht ohne Widerstände erfolgt.
  6. Demokratie (und damit Öffentlichkeit) haben sich als entscheidende Faktoren erwiesen, um Gesellschaften zu entwickeln. Ein Beispiel für die Auseinandersetzung mit Grenzen und Möglichkeiten der Demokratie ist die Zeitschrift "mitbestimmung", die seit 32 Jahren die Prozesse ihrer Zeit kritisch begleitet und Vorschläge entwickelt.
  7. Im Kontext der gegenwärtigen Entwicklungen wird auf ein Projekt besonders aufmerksam gemacht: das Projekt "Das Verbindende der Kulturen", an dem sich auch Massud Rahnama, Herbert Gantschacher und Samuel M. Rapoport (+) beteiligt haben. Höhepunkt dieses Projektes war die Konferenz "Das Verbindende der Kulturen" mit über 4.000 TeilnehmerInnen aus über 70 Ländern. Nun wurde ein Programm entwickelt, um die Projekt-Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren (siehe Seite 23). Es ist ein einmaliges Programm, das völlig neue Perspektiven gerade im Kontext unserer heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen eröffnet.
       
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