Nr. 1/2002
Zeitschrift (1989–2007)


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Mythos und Realität

Editorial

Einleitung: Mythos und Realität – Was verbindet uns?

Herbert Arlt (Wien):
Mythos und Weltkultur

Anette Horn (Kapstadt):
Der Mythos von den Ahnen: Nongqawuse und der Selbstmord der Nation als antiimperialer Aufstand

Peter Horn (Kapstadt):
Primitive Religionen werden mehr getanzt als gedacht

Naoji Kimura (Tokio/Regensburg):
Die virtuelle Geschichte in der japanischen Mythologie

Silvia Tschopp (Augsburg):
Mythen und Realität – was verbindet uns?

Podiumsdiskussion

König Ödipus

Statements: Herbert Arlt – Naoji Kimura – Silvia Tschopp – Peter Horn – Anette Horn
Publikumsdiskussion


BERICHTE

Rezensionen / "Gemeinsames Etwas". Zu einem Stück von Helmut Peschina

 

 

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Editorial

Im letzten Jahr wurde gefeiert, daß die Zeitschrift "Jura Soyfer" bereits im 10. Jahrgang erscheint. Für heuer waren vier Nummern vorgesehen, die alle – wie diese erste Nummer – bezeugen hätten können, daß es ein breites öffentliches Interesse an der Zeitschrift gibt. Sollte sich aber herausstellen, daß für die Zeitschrift heuer kein Geld vom Bundeskanzleramt der Republik Österreich zur Verfügung gestellt wird, wird es wohl bereits schwer bis unmöglich sein, eine zweite Nummer herauszubringen.

Diese Einschränkung bzw. partielle Einstellung der Zeitschrift, die nicht nur in Österreich, sondern in über 40 Ländern verbreitet wird, wäre aber ein deutliches Signal für den Umgang mit Öffentlichkeit und Wissen. Ein Thema, das den Schwerpunkt dieser Nummer der Zeitschrift "Jura Soyfer" bildet. Die Interpretationen reichen von den generellen Problemen des Erkennens bis hin zum tyrannischen Einsatz der Ratio, von Erkenntnis, die durch Blendung erzielt wird, bis zum Tanz.

Alle diese Elemente sind auch Elemente heutiger Öffentlichkeit – vom (denunzierten) "Tanz" (Karneval) bis hin zur Verkündung von Programmen, die das Gegenteil von Erkenntnis bei aller mächtigen Vorherrschaft über den Gegner beinhalten und die Hilflosigkeit der Benennungen, die "hilflos" nicht nur wegen der Einschränkungen sind.

Aber Einschränkungen scheinen jenen trotzdem nötig, die nicht nur aus der Wüste (Peter Turrini, Minderleister) kommen, sondern sie auch verkörpern. Sie vertrocknen die Produktion, die Distribution und die Freude an der Konsumtion. Sie erwarten Disziplin in ihrer Ordnung und entmutigen Kreativität. Hell leuchtet die Dummheit im Scheine der Werbemaßnahmen.

Diese wüste Politik verkörpert die Hilflosigkeit angesichts der Veränderungen. Die Einschränkungen (Vertrocknungen) sind das deutlichste Anzeichen für eine Politik, die sich selbst nicht mehr zu helfen weiß. Deren Argumentation verkommt zum Slogan (zum Ruf der Geisterheere im Sinne der Darstellungen von Elias Canetti in "Masse und Macht"). Und diese Geister (die Vergangenheit) sind nicht immer solche, die hilfreich für die Zukunft sind. Ihre Verleitungen, das Gegenwärtige zu zerstören, sind dazu angetan, die Zukunft zu verdunkeln und schmerzreich zu gestalten. Die Trockenheit beginnt den Organismus zu zersetzen. Und Feindbilder sind die Fahnen, die diesen Geisterheeren vorangetragen werden.

Am weiteren Erscheinen der Zeitschrift "Jura Soyfer" wird daher mit sichtbarem Antlitz gearbeitet werden. Die Metaphern harren ihrer Interpretation, damit Wissen erkennbar werden kann.

   
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Einleitung

Mythos und Realität – Was verbindet uns?
Dokumentation der 2. Memminger Gespräche über Kunst und Kultur

Am 9. März 2002 fanden im Landestheater Schwaben die 2. Memminger Gespräche statt, die wiederum (siehe auch "Jura Soyfer" 4/2001) vom Landestheater Schwaben in Memmingen, der Jura Soyfer Gesellschaft (Wien) und dem INST (Institut zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse, Wien) organisiert wurden. Ein zentrales Element dieser Gespräche ist die Verbindung von einer Theateraufführung durch das Landestheater Schwaben (in diesem Fall "König Ödipus" von Sophokles) mit einem Thema, das wesentliche gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift. Diese Gespräche zum Thema "Mythos und Realität – Was verbindet uns?" gehören zugleich zu den Auftaktveranstaltungen des INST-Projektes "Das Verbindende der Kulturen" (im WWW: http://www.inst.at/kulturen). Die Begrüßung erfolgte durch den Oberbürgermeister von Memmingen, Dr. Holzinger. Die Gäste wurden von Walter Weyers, dem Intendanten des Landestheaters Schwaben, vorgestellt:

Holzinger: Sehr geehrter Herr Intendant, meine Damen und Herren! Ich darf Sie namens der Stadt ganz herzlich zu den 2. Memminger Gesprächen begrüßen. Sie haben sich ja fast schon zu einer Tradition entwickelt. Ich darf recht herzlich das Podium und das Publikum begrüßen sowie Herrn Arlt von der Jura Soyfer Gesellschaft, der zusammen mit dem Landestheater Schwaben – unserem Intendanten Herrn Weyers – diese Gespräche, die programmatisch immer Themen des Theaters und des wirklichen Lebens abhandeln, initiiert hat. Arlt kommt aus Wien, ist aber im Grunde ein Bregenzer – kommt aus der befreundeten Stadt Bregenz, die auch eine alte Geschichte hat und mit der wir in vielfältiger Weise verbunden sind. Die Besetzung des Podiums zeigt mir, dass unser Landestheater den richtigen Weg geht und nicht nur in Deutschland einen Namen hat, sondern weit über die Grenzen unseres Landes und den traditionellen Beziehungen mit Österreich und mit Südtirol hinaus. Immerhin kommen die Gäste auch aus Japan, Südafrika und der Schweiz bzw. Italien. Ich darf sie nochmals herzlich hier in Memmingen begrüßen, und ich wünsche diesen zweiten Memminger Gesprächen einen vollen Erfolg.

Weyers: Gehen wir gleich in medias res. Wir verhandeln heute "Mythen und Realität – Was verbindet uns?" Ich darf kurz die Referenten vorstellen (s. dazu auch den Abschnitt "BeiträgerInnen" in diesem Heft – Red.). In der Reihenfolge: ganz außen sitzt Frau Professora Tschopp (s. dazu auch Bild auf Seite 4 – Red.), die aus Augsburg kommt und dort einen Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte inne hat. Herzlich willkommen. Ich darf weiters Herrn Professor Kimura aus Tokio vorstellen. Herr Kimura ist emeritierter Professor für Germanistik und in Japan ein sehr bekannter und berühmter Mann, wie ich gehört habe. Er ist weiters Träger des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland. Ihm wurde die Goldmedaille des Goethe-Instituts verliehen, und er ist auch Träger eines Preises der Humboldt-Stiftung. Herzlich willkommen, Herr Professor Kimura. Ich darf weiterhin Herrn Professor Horn vorstellen, der Germanist ist, aus Südafrika kommt, Vizerektor der Universität Kapstadt war, und der als Schriftsteller einen großen Namen hat, als südafrikanischer Schriftsteller, der meist in englischer Sprache schreibt – herzlich willkommen. Ich darf begrüßen Frau Dr. Horn, die Literaturwissenschaftlerin ist, gleichfalls aus Südafrika kommt, sich in Deutschland zu einem längeren Forschungsaufenthalt unter Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufhält – sei ganz herzlich willkommen. Und an diesen Anblick hat man sich vielleicht schon etwas gewöhnt. Das ist Herr Dr. Arlt, der gemeinsam mit mir dieses Kind der Memminger Gespräche aus der Taufe gehoben hat. Er ist wissenschaftlicher Direktor des INST und Geschäftsführer der Jura Soyfer Gesellschaft in Wien. Ich freue mich, dass du wieder an meiner Seite sitzt. Das gibt mir eine große Ruhe und Zuversicht. Vieles andere gäbe es natürlich von unseren ReferentInnen zu sagen. Sie verstehen aber, wenn ich mich kurz fasse, damit wir zu unserem Thema kommen können.

Die Translitterierung (zu den Prinzipien siehe "Jura Soyfer" 4/2001) der Gespräche erfolgte durch Monika Schwarzäugl (Wien). Gesendet wurden die Gespräche am Samstag, den 8. Juni 2002 um 22.30 im Fernsehsender BR-Alpha. Außerdem erschienen zu den Gesprächen etliche Berichte in Zeitungen bzw. in Radios. Dokumentiert werden die vorbereiteten Beiträge, die eingangs vorgetragen wurden und an die sich eine Diskussion anschloß. Es folgen weiters die Dokumentation der Diskussion zu diesen Beiträgen sowie die Statements des Podiums zur Aufführung von "König Ödipus" und eine Publikumsdiskussion zur Aufführung und zu den Statements.

       
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