Werkausgabe

   
Band I
Zwischenrufe links
Lyrik

Mit einem Vorwort von Gertrude Durusoy

Band II
Auf uns kommt´s an
Szenen und Stücke

Mit einem Vorwort von Otto Tausig

Band III
So starb eine Partei
Prosa

Mit einem Vorwort von Ilse Aichinger

Band IV
Sturmzeit
Briefe 1931 – 1939

Mit einem Vorwort von Franz Vranitzky

Jura Soyfer galt als der "Dichter der Armen" während der globalen Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Seine Verse waren erbitterte Proteste gegen die fortschreitende Verelendung der Massen, anfeuernde Aufrufe zu solidarischem Widerstand, politische Satiren im Kampf gegen den drohenden Faschismus. Hilde Spiel nannte sie die "schärfsten politischen Gedichte jener Jahre". Aus heutiger Sicht sind sie Dokumente linker Illusionen, aber auch Zeugnisse des Widerstandswillens angesichts des drohenden Untergangs. Soyfers leidenschaftlicher Widerspruchsgeist und sein satirischer Witz sind lebendig geblieben. Seine Warnung vor dem Krieg als globalem Selbstmord, seine Empörung über soziale Ungerechtigkeit sind heute aktuell wie damals.

Nach dem Verbot der linken Presse 1934 waren Soyfers Gedichte nur in den Kellerbühnen zu hören. Auch sie waren (getarnte) Zwischenrufe – aus dem linken Untergrund. Selbst Soyfers bitterste Diagnosen können umschlagen in die Hoffnung auf eine menschenwürdige Welt; sein Dachaulied ist das ergreifendste Zeugnis solcher Zuversicht.

Nachwort und ausführliche Anmerkungen zum zeitgeschichtlichen Hintergrund schließen den Band ab. Zeitgenössische Karikaturen verdeutlichen den Ungeist, gegen den Soyfer ankämpfte.

Zusätzlich enthält der Band ein Nachwort, eine editorische Notiz, Anmerkungen und eine Zeittafel.

Jura Soyfers dramatisches Werk beginnt mit Agitprop-Allegorien: Proletarische Weihnachtsfeier (1932), Silvesterfeier (1933/34). Nach dem Februar 1934 schreibt Soyfer für die von der Polizei überwachten Kellerbühnen. Neben den Sketchen (Geschichtsstunde 2035, eine Zukunftssatire auf Soyfers Gegenwart; ein Orientalisches Märchen über den Antisemitismus) entstehen innerhalb von zwei Jahren die Stücke Weltuntergang, Der Lechner Edi schaut ins Paradies, Astoria, Broadwaymelodie 1492: Witz, Humor und Einfühlungsvermögen in die Welt der Armen, Traumszenen und harte Realistik, zarte Lyrik und ätzende Satire vereinigen sich zu einer für Soyfer charakteristischen Dramatik, die sich den Widersprüchen seiner – und unserer – Zeit stellt. Neben diesen unterhaltsamen Lehrstücken, die mit Zuversicht enden, entsteht Vineta, der verzweifelte Versuch eines einzelnen, in einer Stadt totaler Entfremdung zu überleben. Diese fünf Stücke politischen Welttheaters begründen Soyfers Bedeutung für das deutschsprachige Drama als ein Erneuerer des Volksstückes zwischen Horváth und Brecht.

Ein Nachwort, Anmerkungen sowie eine Zeittafel schließen den Band ab.

Jura Soyfers sozialkritischer Standpunkt gibt der Vielfalt seiner Journalistik Geschlossenheit und Richtung. Seine Reportagen aus Deutschland (1932) sind zeitgeschichtliche Dokumente - in ihren sozialistischen Illusionen, ihrem prophetischen Realismus: "Die Zukunft Deutschlands ist nicht nur grau, sie ist feldgrau."

Nach dem Februar 1934 druckt der relativ liberale Wiener Tag Soyfers Kulturkritiken. In seinen Gedenkartikeln reden Nestroy, Villon, Fichte und Börne der austrofaschistischen Gegenwart ins Gewissen. In der Steppe des Wiener Kunstlebens spürt er Oasen lebendigen volksnahen Theaters und Films auf. Er fordert die Demokratisierung des Theaters, wendet sich gegen die Abfütterung der Massen mit Kitsch, schreibt ein Filmexposé aus Hollywoodklischees, soziologische Skizzen: der kleine Beamte, die Arbeiterfrau, der bürgerliche Student (1936).

So starb eine Partei, Soyfers Roman über die Vorgeschichte des Februar 1934, ist nur als Fragment erhalten. Helmut Qualtinger nannte das Werk den "einzigen seriösen Roman über jene Zeit".

Der Band enthält fünf kurze, bisher unzugängliche Texte; Nachwort, Anmerkungen und Zeittafel schließen ihn ab.

Jura Soyfers Briefe sind die einzigen privaten Dokumente, die wir von ihm haben. Unverwechselbar in ihrem Stil, ihrer Lebendigkeit, ihrem Humor und Witz. In den Briefen aus Deutschland (1932) an Marika Szecsi verbindet sich Persönliches mit Politik: Soyfer erlebt die Weimarer Republik in der Agonie. Seine Hoffnungen auf Widerstand der Linken zerbrechen an Uneinigkeit.

Die Briefe aus einem Sommerlager junger Zionisten in Jugoslawien sind voll Lebenslust und Arbeitsfreude.

Im Briefwechsel zwischen Soyfer und Helli Ultmann geht es um all das, was in quälend kurzen Besuchsminuten nicht gesagt werden und der Zensor lesen kann. Wir lernen Soyfer jenseits der Politik kennen, seine weitgespannten Interessen (Freud, Celine, Kafka, Broch), seine ironischen Selbstanalysen, Arbeitspläne, seine Sehnsucht nach Helli. Auch sie war in Haft, hat ihre Stelle verloren, ist auf Arbeitssuche, kämpft gegen den tristen Alltag, träumt von einer Zukunft mit Jura. Nur wenige, auf ein paar Zeilen beschränkte, Lebenszeichen aus Dachau und Buchenwald sind erhalten.

Eine editorische Notiz, ein Glossar, ein Briefregister, ein Personenverzeichnis sowie eine Zeittafel runden den Band ab.


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Jura Soyfer Werkausgabe
Herausgegeben von Horst Jarka
4 Bände, Hardcover
ISBN 3-216-30643-7
Preis: 77,-- Euro (A), 74,90 Euro (D)
   
  Preis/Einzelband: 23,50 Euro (D), 24,20 Euro (A)
 
Lyrik, Band I  ISBN 3-216-30658-5 
No longer available Szenen und Stücke, Band II  ISBN 3-216-30659-3 
Prosa, Band III  ISBN 3-216-30660-7 
Briefe,  Band IV  ISBN 3-216-30661-5 
 
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